Jahr der Kinderrechte in Hessen

HLZ 1-2/2021: Kommentar

Hessen 2021: Jahr der Rechte für alle Kinder

CDU und Bündnis 90/Die Grünen haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, eine Landesbeauftragte für Kinder- und Jugendrechte zu benennen, für 2021 ein Jahr der Kinder- und Jugendrechte (KJR) in Hessen auszurufen und so „ein deutliches Zeichen für die Wertschätzung der hessischen Kinder und Jugendlichen zu setzen“. Hessen ist damit das einzige Bundesland, das eine hauptamtliche Beauftragte für Kinder- und Jugendrechte beschäftigt.
Am 2. September 1990 trat das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes in Kraft. Inzwischen haben alle Mitgliedsstaaten der UNO mit Ausnahme der USA die UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) ratifiziert. 30 Jahre nach dem Inkrafttreten ist die Situation auch in Deutschland vielschichtig.
Zu den Verpflichtungen, die die Bundesrepublik Deutschland mit der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention übernommen hat, gehört nach Artikel 42, „die Grundsätze und Bestimmungen dieses Übereinkommens durch geeignete und wirksame Maßnahmen bei Erwachsenen und auch bei Kindern allgemein bekannt zu machen“. Hier sind bereits deutliche Erfolge zu verzeichnen: Jedes zweite Kind in Hessen hat bereits von der UN-Kinderrechtskonvention gehört. Aber nach einer Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerk im Jahr 2018 sagen nur 12 Prozent der Erwachsenen und 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen, dass sie die UN-KRK „gut kennen“. Bei den Eltern mit Kindern unter 14 Jahren ist der Anteil mit 10 Prozent noch niedriger. 75 Prozent der Erwachsenen und 62 Prozent der Kinder und Jugendlichen kennen sie lediglich „vom Namen her“.
Das Jahr der Kinder- und Jugendrechte in Hessen ist somit ein Auftakt zur Verstetigung und Vertiefung der Kinderrechtsaktivitäten in Hessen und wird sich insbesondere auf die beiden Aspekte „Awareness“ und „Empowerment“ beziehen. „Awareness“ ist mehr als das bloße Wissen um die Rechte von Kindern und Jugendlichen, sondern soll eine ganzheitliche Perspektive in der Gesellschaft verankern, die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen und so Gesellschaft aus der Sicht der Heranwachsenden neu denken.
Die Hessische Verfassung, in der Kinder- und Jugendrechte seit Ende 2018 verankert sind, fordert die Beteiligung von jungen Menschen an Vorhaben, die sie betreffen. Dazu reicht es nicht, dass bei städteplanerischen und anderen Maßnahmen Erwachsene Mutmaßungen über die Belange von Kindern und Jugendlichen anstellen, sondern dass Kinder und Jugendliche aktiv in die Planung mit einbezogen würden. Ihre Beteiligung hätte zwangsläufig auch Auswirkungen auf die sozialräumliche Gestaltung eines Stadtteils.
Das hessische Jahr der Kinderrechte soll in vielfältigen Aktionen Kinder und Jugendliche hör- und sichtbar machen. Geplant sind Workshops, künstlerische Projekte, Resonanzrunden mit Betroffenen und ein Kongress zu Kinderrechten. Informationen zur Beantragung und Förderung konkreter Projekte findet man in dieser HLZ auf Seite 9. Es ist jedoch auch zu bedenken, dass die Umsetzung der UN-KRK noch am wenigsten in der Verantwortung der Kinder und Jugendlichen selbst liegt. Deshalb soll es auch Dialogräume zu der Frage geben, wie ein KJR-Mainstreaming nicht nur in Bildungsinstitutionen, sondern beispielsweise auch in unternehmerisches Handeln umzusetzen ist.
Zugang zu allen geplanten Aktionen bietet die Webseite www.kinderrechte.hessen.de, die mit dem Auftakt für das Kinderrechtejahr am 20. November 2020 online gegangen ist. Das Rahmenprogramm wird an die Corona-Situation angepasst und deshalb „auf Sicht“ geplant. „Niemand weiß, was die kommenden fünf Jahre an weiteren Aufgaben bringen werden.“ Dieser Satz aus dem ersten Kapitel des Koalitionsvertrags von 2018 ist heute noch aktueller als vor Corona. Genauso richtig ist auch der folgende Satz: „Umso wichtiger ist es, mit gegenseitigem Vertrauen und Zuversicht an die Arbeit zu gehen.“

Miriam Zeleke

Miriam Zeleke ist seit Oktober 2020 die erste hauptamtliche Beauftragte für Kinder- und Jugendrechte der Hessischen Landesregierung.