Unsere Projekte in Zimbabwe

HLZ 1-2/2021

Hessen 2021: Jahr der Rechte für alle Kinder

Die Coronapandemie verschlechtert die Einkommenssituation vieler Familien im Globalen Süden. Die Armut nimmt weiter zu. Erfahrungen zeigen, dass Kinder nach Krisen vielfach nicht in die Schulen zurückkehren. Sie müssen weiter arbeiten, um ihre in Existenznot geratenen Familien zu unterstützen. Durch den Verlust von Einkommen haben arme Familien noch weniger Chancen, Schulgebühren aufzubringen, wenn Schulen wieder öffnen. Zu befürchten ist daher eher eine Zunahme der Kinderarbeit als ein Rückgang, wenn nicht wirksame Maßnahmen in den betroffenen Ländern ergriffen werden.

Während sich Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Initiativen hierzulande für ein verbindliches Lieferkettengesetz einsetzen, das soziale Standards, gute Bezahlung von Lohnarbeit und Ächtung von Kinderarbeit entlang der gesamten Lieferkette unserer Konsumgüter garantieren soll, kämpfen unsere Kolleginnen und Kollegen der afrikanischen Bildungsgewerkschaften vor Ort für gute Bildung statt Kinderarbeit. Ihre mit Geldern der GEW-Stiftung fair childhood mitfinanzierten Projekte werden in der Regel einmal im Jahr von einem Vorstandsmitglied der Stiftung und einem Mitarbeiter der Bildungsinternationale (BI) besucht.

Unser jüngster Besuch in der Projektregion im Chipinge-Distrikt an der Grenze Zimbabwes zu Mozambique fand gerade noch rechtzeitig vor dem Corona-Shutdown statt. fair childhood unterstützt seit 2019 die Fortführung des Projekts „Out of Work Into School“, in dem die beiden Gewerkschaften der Lehrkräfte Zimbabwes PTUZ und ZIMTA bereits seit 2015 arbeiten. ZIMTA (Zimbabwean Teachers‘ Association) und PTUZ (Progressive Teachers Union of Zimbabwe) sind die größten Lehrkräfteorganisationen in Zimbabwe und schließen sich häufiger in Arbeitskämpfen zusammen.

Die Zahl der beteiligten Schulen wuchs seitdem von elf auf 24. Mit der Erweiterung um 13 Schulen konnten die Entwicklung des sozialen Dialogs mit den Bezirksbehörden von Chipinge und die seit 2017 begonnene Arbeit konsolidiert werden. Erst aus sieben der 24 Schulen liegen genaue Daten zum letzten Jahr vor: 68 Jungen und 54 Mädchen kamen aus Kinderarbeit in die Schule. In den ersten elf Projektschulen sind die meisten Kinder bereits integriert und die Zuwächse geringer. Hier richten Lehrkräfte jetzt ihr Augenmerk auf Kinder, die z.B. wegen Beeinträchtigungen nicht im System sind.

Vor 2013 galt in dieser Tee produzierenden Region über Jahrzehnte das so genannte Earn&Learn-System. Große Teeunternehmen wie Tanganda ließen Kinder in den Teeplantagen für sich arbeiten und erlaubten ihnen dann, zeitweise am Unterricht in firmeneigenen Schulen teilzunehmen. An dieses System gewöhnt, war es tabu, Kinderarbeit anzuprangern. Als Earn&Learn 2013 durch öffentlichen Druck verboten wurde, geschah nichts, um die privaten Schulen zu ersetzen und den Kindern der Region einen Schulbesuch zu ermöglichen. Das führte zu Ressentiments und Unverständnis bei der Bevölkerung und behinderte die Sensibilisierungsarbeit für Bildung statt Kinderarbeit, die Lehrkräftegewerkschaften begonnen hatten.

PTUZ begann in fünf Schulen Chipinges damit, Diskussionsrunden und Lehrgänge für Schulkinder und Lehrkräfte durchzuführen. Sekundarschullehrer Joseph Machuwaire hält diese Sitzungen für „enorm wichtig, um die Earn&Learn-Mentalität der Kinder zu ändern, denn diese Art des Denkens verschwindet nicht von heute auf morgen“. Sein Kollege David Beta, inzwischen Schulleiter, stimmt ihm zu: „Nach dieser Sensibilisierung reden die Kinder mit ihren Eltern über das Gelernte. So entwickelt sich eine Bildungsdebatte in den Gemeinschaften dieser Schulen.“

In allen 24 Schulen bestehen aktive Kinderrechte-Clubs der Schülerinnen und Schüler. Ihre künstlerische Arbeit macht die Schulen attraktiv und bei ihren Auftritten auf Märkten und in Gemeindeveranstaltungen lenkt sie die Aufmerksamkeit auf das Thema Kinderarbeit – ein entscheidender Beitrag, die Haltung der Bevölkerung zu verändern. Mit unseren Unterstützungsgeldern entwickeln die Schulen Programme, die Einnahmen generieren. Damit finanzieren sie die Schulgebühren für bedürftige Kinder und Schulmahlzeiten. Ein Gemüsegarten an der Mafumise-Grundschule ermöglicht ein Mittagessen für die Schulkinder und lockt so Kinder zurück in die Schule, die wegen des Hungers zu Hause geblieben waren.

Bei den Projektaktivitäten und in der Lehrkräftefortbildung finden PTUZ und ZIMTA Unterstützung durch das staatliche Kinderschutzkomitee des Distrikts und seine Vertreterinnen und Vertreter in den Schulen. Nach und nach treten auch die Vereinigung der Teeproduzenten und Unternehmen wie Tanganda und Ariston Holdings öffentlich für den Kampf gegen Kinderarbeit ein.

Bruni Römer

Alle weiteren Informationen zur GEW-Stiftung fair childhood und Spendenkontos findet man auf ihrer Internetseite:
https://www.gew.de/internationales/fair-childhood/