Zum Artikel „Vor einhundert Jahren in Hessen"

HLZ 01/02-2019

von Ernst Olbrich

Der Artikel „Vor einhundert Jahren in Hessen“ und der Beitrag von Hartfrid Krause zur Ermordnung von Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 in der HLZ 1-2/2019 transportieren stellenweise Deutungen der geschichtlichen Ereignisse im Umfeld des 1914 von der Führung des Deutschen Reiches vom Zaun gebrochenen Ersten Weltkriegs, die nicht unwidersprochen bleiben können, da sie ein verharmlosendes Bild der Rolle skizzieren, welche die Mehrheitssozialdemokratie und die von ihr dominierten Gewerkschaften 1914 und in der Folge gespielt haben. Eine solche „Geschichtsschreibung“ der deutschen Linken stellt in gefährlicher Weise eine Beschönigung der tatsächlichen Vorgänge dar. So wird gleich zu Beginn des Artikels voller Stolz berichtet:

„Zu den Legenden um den Kriegsausbruch des Ersten Weltkriegs gehört die der uneingeschränkten Kriegsbegeisterung. Tatsächlich riefen die Gewerkschaften und die SPD bereits am 1. Mai 1913 [!] unter dem Eindruck wachsender Spannungen zwischen den Großmächten und allgemeiner Kriegsvorbereitungen zu Demonstrationen »gegen Völkerverhetzung und Völkermord für Kultur und Völkerfrieden« auf, so die Anzeige im Hessischen Volksfreund.“ (Hvhbg. von mir, E. O.)

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