Erster Bertha-von-Suttner-Friedenspreis für die Jugend

Über 20 großartige Beiträge für eine friedvollere Welt

Trotz oder gerade wegen des Krieges in der Ukraine fand die erstmalige Ausschreibung des Bertha-von-Suttner-Friedenspreises für die hessische Jugend eine überraschende Resonanz. Auch ohne Werbeetat und lukrative Preise freute sich das Bündnis aus Deutscher Friedengesellschaft, GEW, pax christi, Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche und Katholischer Akademie Rabanus Maurus über mehr als 30 Wettbewerbsbeiträge. Thomas Carl Schwörer, hessischer Landessprecher der DFG, lobte bei der Preisverleihung im Großen Saal des Frankfurter Hauses Am Dom am Geburtstag Bertha von Suttners am 9. Juni das große Mitgefühl, das in den Projekten zum Ausdruck komme und „von der Betroffenheit zum Handeln“ führe. Die Möglichkeit, sich eine Welt ohne Krieg vorzustellen, dürfe nicht verschüttet werden. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgrab sprach in seinem Grußwort von einer Krise der christlichen Friedensethik und des Pazifismus „jeder Couleur“: „Der Angriff auf die Ukraine und das Recht auf Selbstverteidigung verbieten einfache Antworten.“ GEW-Landesvorsitzender Thilo Hartmann erinnerte daran, dass erst der Pazifismus einer Bertha von Suttner und aller, die ihre Ideen weitertragen, zur Ächtung aller Kriege geführt  und das Heldenlied des Krieges „unsagbar“ gemacht habe.

Für die Laudatio konnten die Veranstalter den Theatermusiker und -komponisten Leonardo Mockridge (Foto: oben rechts), einen Ur-Ur-Ur-Urgroßneffen der Nobelpreisträgerin, gewinnen. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler sprach er in Anlehnung an ein berühmtes Zitat Bertha von Suttners, als „unsere Enkelkinder“ an, denen wir uns „würdig zu zeigen“ haben, „nicht unseren Vorvätern“. Ihre Maxime, zuzuhören, Gedanken auszutauschen, Vorurteile zu überwinden und „nie jemandem wehe zu tun“, habe er in den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler wieder gefunden, die sich somit als „würdige Erbinnen und Erben“ Bertha von Suttners zeigten. Auch er habe angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine keine Antworten und es sei vor allem die „Unlösbarkeit der Bedrängnis“ die ihm Angst mache: „Aber an eine Idee zu glauben und gemeinsam mit anderen an ihrer Umsetzung zu arbeiten, darin erkenne ich Bertha.“

Über Urkunden und Büchergutscheine freuten sich die folgenden Preisträgerinnen und Preisträger des ersten Bertha-von-Suttner-Preises für die hessische Jugend:

  • Der Ethikkurs der Jahrgangsstufe 9 des Starkenburggymnasiums in Heppenheim fragte in der multimedialen Präsentation „Hanau war kein Einzelfall“ nach Formen, Ursachen und Folgen von Rassismus.
  • Am Ende einer fiktiven Nachrichtensendung lassen die Schülerinnen und Schüler des Französisch-Kurses G10 und der Gruppe Darstellendes Spiel der Gesamtschule Geistal in Bad Hersfeld als Zeichen der Hoffnung auf Frieden bunte Luftballons in die Luft steigen.
  • Der bilinguale Geschichtskurs der Jahrgangsstufe 12 der Owald-von-Nell-Breuning-Schule in Rödermark befasste sich mit dem Völkermord an den Herero und Nama und konzipierte ein Denkmal für die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft, dessen Entwurf auch an das Auswärtige Amt ging.
  • Die jüngsten Preisträgerinnen und Preisträger kamen aus der Klasse 5b der Otto-Ubbelohde-Schule in Marburg, die ihre Gedanken, Sorgen und Hoffnungen über den Krieg in der Ukraine auf einem bunten Banner präsentieren (s. Foto).
  • Der erste Preis ging an Johanna Bonin, Cornelia Ott, Vivian Rugowksy, Sarah Stock und Leonie Lena Strobel vom Grimmelshausengymnasium Gelnhausen für „Grimmels Talk um Neun“, einen Podcast, in dem sich Menschen aus mehreren Jahrhunderten mit den Ursachen und Folgen von Kriegen und dem Weg zum Frieden auseinandersetzen (siehe Foto).
  • Ein Sonderpreis ging an die Peter-Behrens-Schule in Darmstadt, die sich mit insgesamt zehn Arbeiten an dem Wettbewerb beteiligt hatte.

Tony C. Schwarz, der den Impuls für den Wettbewerb gab und die GEW Hessen in dem Bündnis vertrat, freute sich auch über die vielfältigen Ideen und kreativen Formen der Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg und Frieden und hofft auf eine zweite Ausschreibung im nächsten Jahr, vor allem aber auf ein schnelles Ende des Krieges in Europa, der am Geburtstag Bertha von Suttners bereits 106 Tage dauerte.


Bildunterschrift: Gäste von „Grimmels Talk um Neun“ waren (von links nach) eine „Hippie-Flower-Power-Friedensfreundin“ und der Pressesprecher Putins als ihr Antipode, Bertha von Suttner, Théophile Leclerc, einer der Enragés der Französischen Revolution, und der Namensgeber des Grimmelshausengymnasiums Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, der die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges als Soldat erlebte. (Fotos und Text: Harald Freiling)