Vom (Un)sinn ökonomisierter Bildung:

Veranstaltung zur Ökonomisierungskritik
29. September 2022 | 17 bis 19 Uhr
Saalbau Gutleut, Frankfurt

6. Veranstaltung zur Ökonomisierungskritik

29.9.2022, 17 bis 19 Uhr | Saalbau Gutleut, Frankfurt

​​​​​​Veranstaltungsteam: Dr. Gabriele Frenzel, Maria Heydari, Günter Köhler, Thomas Sachs, Herbert Storn, Eva Maria Wehrheim

Wir, die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Gegen die Ökonomisierung der Bildung“ der GEW Frankfurt und Südhessen, beschäftigen uns seit mehreren Jahren kritisch mit der zunehmenden „Ökonomisierung des Bildungswesens“. In mehreren Vortragsreihen und einer ganztätigen Veranstaltung haben wir thematisiert, wie Wirtschaftskonzerne – allen voran Bertelsmann – sowie zahlreiche andere Firmen über ihre Stiftungen und ihre Berater in den Kultusministerien Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen. Dass die OECD als internationale Wirtschaftsorganisation den PISA-Schock inszeniert hat, spricht Bände.  Immer wieder meldet sie sich mit neuesten Studien zu Wort, um die Bildungsdebatte möglichst zu majorisieren. Doch die „Reformen“ der letzten Jahre (Methoden und Kompetenzen, G8/G9, die Umsetzung der Inklusion, Modularisierung in Studium und Referendariat) zeitigen bereits jetzt in aller Deutlichkeit ihre Wirkung. Nicht erst  der aktuelle Lehrermangel an Grund- und Förderschulen gibt Anlass zur Sorge. Kolleginnen und Kollegen aller Schulformen sind überlastet und ihre Zufriedenheit mit dem Beruf nimmt immer mehr ab, trotz hohen Engagements.


Kompetent.Flexibel.Angepasst. Zur Kritik neoliberaler Bildung
Ein Vortrag von Andreas Hellgermann

Ist die Zeit der Kritik vorbei? Manchmal sieht es so aus. Der digitale Selbstunternehmer scheint sich als europäisches Bildungsideal durchgesetzt zu haben. Er braucht keine Kritik. Seine Vernunft ist pragmatisch und instrumentell. Nur wird so weder die Bildungskrise noch die Klimakatastrophe überwunden.
Doch um die Krisen, in denen wir uns befinden, als Bildungsherausforderungen zu begreifen, ist eine kritische Vernunft unverzichtbar. Zudem ist sie praktischer und brauchbarer als die neueste Methodenapp von der letzten Digitalisierungsfortbildung.

29.2.2020, 9.30 bis 17 Uhr | DGB-Haus Frankfurt

​​​​​​Plakat

Veranstaltungsteam: Dr. Gabriele Frenzel, Maria Heydari, Günter Köhler, Thomas Sachs, Herbert Storn, Eva Maria Wehrheim

Wir, die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Gegen die Ökonomisierung der Bildung“ der GEW Frankfurt und Südhessen, beschäftigen uns seit mehreren Jahren kritisch mit der zunehmenden „Ökonomisierung des Bildungswesens“. In mehreren Vortragsreihen und einer ganztätigen Veranstaltung haben wir thematisiert, wie Wirtschaftskonzerne – allen voran Bertelsmann – sowie zahlreiche andere Firmen über ihre Stiftungen und ihre Berater in den Kultusministerien Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen. Dass die OECD als internationale Wirtschaftsorganisation den PISA-Schock inszeniert hat, spricht Bände.  Immer wieder meldet sie sich mit neuesten Studien zu Wort, um die Bildungsdebatte möglichst zu majorisieren. Doch die „Reformen“ der letzten Jahre (Methoden und Kompetenzen, G8/G9, die Umsetzung der Inklusion, Modularisierung in Studium und Referendariat) zeitigen bereits jetzt in aller Deutlichkeit ihre Wirkung. Nicht erst  der aktuelle Lehrermangel an Grund- und Förderschulen gibt Anlass zur Sorge. Kolleginnen und Kollegen aller Schulformen sind überlastet und ihre Zufriedenheit mit dem Beruf nimmt immer mehr ab, trotz hohen Engagements.

Die Veranstaltung will aufzeigen, welche Phänomene dazu beigetragen haben.

Dazu zählt der Versuch,

  • demokratische Strukturen und Gremien wie die Gesamtkonferenz mit dem Instrument der Indirekten Steuerung (Siemens)  auszuhöhlen oder gänzlich zu entmachten;
  • das Prinzip der Pädagogischen Beziehungen über Bord zu werfen (Frenzel);
  • Schule und Unterricht, Lehre und Forschung mehr nach Management-Logiken zu organisieren, ohne dass dies transparent gemacht würde (Krautz). Alle Beteiligten würden so ihrer pädagogischen und didaktischen Freiheit und Verantwortung beraubt.

Nun soll mit dem Digitalpakt der IT-Industrie der schrankenlose Zugang zu  unseren Schulen und zu unseren Daten geebnet werden (Lankau).

Oberstes Bildungsziel der Ökonomisierung von Bildung ist nicht der umfassend gebildete Mensch, sondern der perfekt angepasste „Homo ökonomicus“.

„Wege aus der Entdemokratisierungsfalle“ lassen sich nur finden, wenn wir einerseits die  kritische Aufklärung voranbringen und andererseits zu mutigem Widerstand aufrufen.

PROGRAMMABLAUF

9.30 Uhr Begrüßung und Einführung

10.00 Uhr Teamarbeit: ein Instrument indirekter Steuerung oder Chance zur Selbstorganisation?

  • Stephan Siemens | Experte für Arbeitspsychologie und Burnout-Prävention, Köln

11.30 Uhr Alternativen und Widerstandsmöglichkeiten: Beiträge aus der AG

  • Dr. Gabriele Frenzel: Pädagogische Freiheit – eine Idee von gestern?
  • Eva Wehrheim und Maria Heydari: Schule braucht Demokratie – Wunschzettel einer Grundschullehrerin
  • Herbert Storn: Gesamtkonferenzen – mehr Mitbestimmung geht nicht – aber die will auch organisiert sein

13.00 Uhr Mittagspause

  • mit Songs der Gruppe „wirgefühl“zur „schönen neuen Arbeitswelt“ 

14.00 Uhr Digitaler Neoliberalismus bis ins Klassenzimmer oder: warum IT für Schulen neu gedacht werden muss

  • Prof. Ralf Lankau | Hochschule Offenburg

15.30 Uhr Ökonomisierung als technologische Steuerung von Schule und Unterricht: Phänomene, Kritik und Alternativen

  • Prof. Jochen Krautz | Bergische Universität Wuppertal

16.30 Uhr Schlussdiskussion

Die Arbeitsgruppe „Gegen die Ökonomisierung des Bildungswesens“ in der GEW Hessen bietet im Kontext ihrer Veranstaltungsreihen einen „Praxisworkshop Teamarbeit“ an.

Montag, 4. November 2019 | 15 bis 18 Uhr
Geschäftsstelle des GEW-Bezirksverbands Frankfurt, Bleichstr. 38a

Referent: Stephan Siemens, Experte für Arbeitspsychologie und Burnout-Prävention

Auch Schulleitungen nutzen Konzepte der Arbeits- und Organisationspsychologie, um Teams indirekt zu steuern. Das führt dazu, dass sich Kolleginnen und Kollegen gegenseitig unter Druck setzen bis hin zum Ausschluss von Teammitgliedern durch Mobbing. Die Teamanalyse der indirekten Steuerung ist eine bewährte Methode, diese Mechanismen zu verstehen. Im Workshop wollen wir die Teamanalyse vorstellen und kennenlernen und so neue gewerkschaftliche Soli

Teamarbeit spielt in den Schulen eine zentrale Rolle. Denn Teams sorgen dafür, dass die Kolleg*innen die Ziele „der Schule“ in die Realität umsetzen. Schulleitungen nutzen dafür Konzepte der Arbeits- und Organisationspsychologie, um die Teams indirekt zu steuern. Das führt dazu, dass sich Kolleginnen und Kollegen gegenseitig unter Druck setzen bis hin zu Ausschluss von Team-Mitgliedern durch Mobbing. Schulleitungen führen nicht mehr direkt, sondern indirekt. Sie fällen keine Entscheidungen mehr, sondern überlassen sie vorgeblich „demokratischen“ Prozessen.

Die Teamanalyse der indirekten Steuerung ist eine bewährte Methode, die Auswirkun-gen dieser Mechanismen zu verstehen. Dabei werden Zeichnungen von Teams erstellt, die auch Rahmenbedingungen, andere Teams oder das Verhalten von Schulleitungen deutlich machen.

Es ist weniger eine psychologische als eine psychologiekritische Methode. Indirekte Steuerung führt zu scheinbar persönlichen, oft auch dauerhaften, Konflikten und damit zu emotionaler Erschöpfung. Diese Konflikte werden häufig alltagspsychologisch gedeutet - zum Beispiel durch die Thematisierung von „Charaktereigenschaften“ oder dem privatem Umfeld.

Im Workshop wollen wir die Teamanalyse vorstellen und kennenlernen. Sie hat das Ziel, indirekte Steuerung bewusst zu machen, die eigene Situation besser zu analysieren und neue gewerkschaftliche Solidarität zu ermöglichen.

Bild: Stephanie Hofschläger, pixelio.de

DGB-Haus Frankfurt

Flyer

​​​​​​Plakat

Veranstaltungsteam: Dr. Gabriele Frenzel, Maria Heydari, Günter Köhler, Thomas Sachs, Herbert Storn, Eva Maria Wehrheim

Der Veranstaltungstag der GEW Hessen im Februar 2018 knüpft an eine Reihe von Initiativen gegen die „Ökonomisierung und Entdemokratisierung des Bildungswesens“ an, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Angefangen mit dem „Marburger Bildungsaufruf“ im Wintersemester 2012/13, folgten dann in den Jahren 2013/14 und 2015/16 Vortragsreihen in Frankfurt, die die Thematik weiter vertieften. Die Veranstaltungsreihe „Die Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb: Bildung in der Effizienzfalle“ aus dem Jahr 2015/16 ist ausführlich dokumentiert, die Texte aller Beiträge sind online verfügbar.

Da sich an der vorherrschenden fatalen Entwicklung im Bildungswesen in den vergangenen Jahren nichts geändert hat, Bildungseinrichtungen nach wie vor dramatisch unterfinanziert sind,  am pädagogischen Personal weiterhin in unverantwortlicher Weise gespart wird und ein vom neoliberalen Paradigma geprägtes Denken anhaltend die bildungspolitische Debatte beherrscht, wollen wir auch mit unserer diesjährigen Veranstaltung zu einer Fortsetzung der kritischen Diskussion um die Entwicklung im Bildungsbereich beitragen. Wir wollen einen Raum eröffnen, in dem eine Vorstellung von Pädagogik entstehen kann, bei der „nicht der ökonomische Nutzen zum alles bestimmenden Maßstab von Schule und Hochschule erklärt wird“ (aus unserem ersten Veranstaltungsprogramm), sondern das Wohl aller an Bildung beteiligter Menschen im Mittelpunkt der Überlegungen und pädagogischen Planungen steht.

Programmpunkte:

  • Bildungsrepublik im Ausverkauf? Vom Wert öffentlicher Bildung | Prof. Tim Engartner, Universität Frankfurt
  • Scheinheilige Stifter in Schulen | Matthias Holland-Letz (Freier Journalist)
  • Ökonomisierung in Gesellschaft und Pädagogik: emanzipatorische Perspektiven psychoanalytischer Elementarpädagogik | Prof. Thilo Naumann (Hochschule Darmstadt)
  • Yes, we burn!!! Theaterstück zur schönen neuen Arbeitswelt | Theater Xtrameile mit Martina Frenzel und Signe Zurmühlen

Redaktionsteam: Dr. Gabriele Frenzel, Maria Heydari, Ernst Olbrich, Thomas Sachs,
Klaus Schermelleh, Herbert Storn, Eva Maria Wehrheim

Die hier verschriftlichte Vortragsreihe steht in einer nun mittlerweile längeren Tradition von Initiativen gegen die „Ökonomisierung des Bildungswesens“, die von unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der hessischen GEW angestoßen und organisiert worden sind. So fand bereits im Wintersemester 2012/13 an der Universität in Marburg eine Vortragsreihe unter dem Titel „Ökonomisierung oder Demokratisierung?“ statt. Der „Marburger Bildungsaufruf“ forderte eine Umorientierung des Bildungswesens, weg von der gegenwärtigen ökonomischen Dominanz, hin zum Wohl aller an Bildung beteiligten Menschen.

Unsere Frankfurter Initiative hatte anschließend in den Jahren 2013/14 die Strategien und Maßnahmen zur „Ökonomisierung & Entdemokratisierung des Bildungswesens“ aufgezeigt und angeprangert sowie die dabei hauptsächlich angewandten Methoden, die Durchsetzung von Bildungsstandards und Kompetenzorientierung beispielsweise, kritisch analysiert. Da diese fatale Bildungspolitik ungebremst fortgesetzt wird, haben wir im Wintersemester 2015/16 mit einer weiteren Veranstaltungsreihe die behandelten Themen wieder aufgegriffen, erweitert und vertieft. Die Veranstaltungsreihe „Die Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb: Bildung in der Effizienzfalle“ aus dem Jahr 2015/16 ist ausführlich dokumentiert, die Texte aller Beiträge sind online verfügbar.

Die in unserer Veranstaltungsreihe besprochenen Themen haben die Ziele der OECD in Richtung „Ökonomisierung der Bildung“ transparent gemacht und die Absichten und Strategien der Bildungsmacher enthüllt. Die Bandbreite der Fragen in den sich anschließenden Diskussionsrunden zeigte deutlich den Wunsch nach weiterer Aufklärung und Information sowie das Interesse Möglichkeiten politischen Handelns zu diskutieren.

Viele Kolleginnen und Kollegen engagieren sich in Steuergruppen oder in der Arbeit an Schulprogrammen und geben ihr Bestes, um den Ansprüchen von gutem und modernem Unterricht sowie gelungener Inklusion gerecht zu werden, oftmals jedoch ohne das befriedigende Gefühl, dabei erfolgreich sein und allen Beteiligten gerecht werden zu können.

Dieser ständigen inszenierten Überforderung liegen taktisch ausgeklügelte Strategien zu Grunde, die von oben nach unten systematisch und Schritt für Schritt umgesetzt werden. Der Verunsicherung durch den „PISA-Schock“ folgte eine verordnete Entwurzelung, indem pädagogische Beziehungen beispielsweise durch Methodentraining verhindert werden sollen, um Menschen im weitesten Sinne manipulierbar zu machen. Auch die vorsätzliche Abkehr von bisherigen Bildungszielen, wie der intensiven Beschäftigung mit Fachthemen zu Gunsten inhaltsleerer und outputorientierter Kompetenzen, dient wohl diesem Zweck.

Die Mechanismen der indirekten Steuerung, die in der Wirtschaft schon seit Jahrzehnten üblich sind, werden ganz bewusst eingesetzt, um den Abbau von echter Mitbestimmung und Solidarität zu verstärken. Durch die unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse (Beamte, Angestellte, pädagogische Hilfskräfte) sowie die veränderte Interpretation des Berufsbildes wird die Lehrerschaft gespalten. Mittels eines neuen Projekts zur Qualifizierung sollen Schulleitungen darüber hinaus zukünftig verstärkt dazu angehalten werden, von oben nach unten die verordneten Maßnahmen durchzusetzen und für deren Einhaltung zu sorgen.

Auf diese Weise werden Kolleginnen und Kollegen ebenso wie die ihnen anvertraute Schülerschaft mehr und mehr dem neuen Erziehungsideal unterworfen, nämlich der Anpassung an das immer autoritärere System. Die Ökonomisierung und Entdemokratisierung des Bildungswesens und damit die der gesamten Gesellschaft schreitet weiter voran, ungeachtet aller berechtigten Proteste.

Daraus ergeben sich für unsere Arbeitsgruppe neue Themen und Arbeitsaufträge, denen wir uns auch in Zukunft stellen wollen.